„Player preferences among new and old violins“ (Spielerpräferenzen zwischen neuen und alten Violinen) — unter diesem Titel wurde im Januar 2012 ein wissenschaftlicher Artikel in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) veröffentlicht.
Der Artikel beschreibt eine sogenannte Doppelblindstudie, bei der die Forscherin Claudia Fritz und der Geigenbauer Joseph Curtin 21 Geigern (Teilnehmer des Internationalen Violinwettbewerbs von Indianapolis) sowie 1.500 Zuschauern vorschlugen, blind das beste von sechs präsentierten Instrumenten auszuwählen.
Zur Auswahl standen 3 Geigen zeitgenössischer Geigenbauer und 3 Geigen herausragender italienischer Meister: eine Stradivari (ca. 1700), eine Guarneri «del Gesù» (ca. 1740, Spätphase) und eine weitere Stradivari (ca. 1715, Goldene Periode).
Im Verlauf des Experiments bevorzugten die meisten Teilnehmer und Zuschauer die neuen Instrumente gegenüber den alten. Das Ergebnis widerspricht der weit verbreiteten Überzeugung unter Geigern, dass Instrumente aus dem Goldenen Zeitalter der italienischen Meister die besten modernen Geigen bedingungslos übertreffen.
Die Tests fanden in einem abgedunkelten Raum statt. Die Teilnehmer trugen Schweißerbrillen, um die Instrumente optisch nicht erkennen zu können. Zudem wurden die Kinnhalter intensiv parfümiert, um eine Identifizierung durch den typischen Geruch von altem Holz und Lack zu verhindern.
Das Experiment umfasste drei Testphasen:
Alle Musiker hatten ein extrem hohes professionelles Niveau. Unter den 21 Teilnehmern waren vier Wettbewerbsteilnehmer (zwei davon wurden Preisträger), zwei Jurymitglieder und die übrigen waren Geiger des Indianapolis Symphony Orchestra.
Dies ist nicht die erste und nicht die letzte Studie dieser Art. Der bekannte Dokumentarfilmer Stefan Avalos hat einen Film gedreht, der Material aus diesem Experiment sowie aus einem Hörtest in Paris (September 2012) mit internationalen Experten enthält.