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Baritonhorn (Bariton) Blechblasinstrument

Baritonhorn: Aufbau, Bauformen und Auswahl des richtigen Instruments

 

Das Bariton oder Baritonhorn ist ein Blechblasinstrument im Tenor-Bariton-Register und besonders in der deutschen, österreichischen und mitteleuropäischen Blasmusiktradition verbreitet. Die meisten modernen Instrumente dieses Typs sind in B gestimmt, haben eine ovale Bauform und Drehventile.

Der Begriff „Bariton“ kann jedoch je nach Land unterschiedliche Instrumente bezeichnen. Das deutsche Bariton, das britische baritone horn und das Euphonium liegen in einem ähnlichen Tonbereich, sind konstruktiv jedoch nicht identisch.

Deshalb reicht es beim Kauf eines professionellen Instruments nicht aus, im Katalog lediglich die Bezeichnung baritone zu sehen. Entscheidend ist, welche Konstruktion und welche musikalische Tradition damit gemeint sind.

B-Bariton Miraphone 54L Loimayr

B-Bariton Miraphone 54L Loimayr

Bariton, Tenorhorn und Euphonium: Was ist der Unterschied?

Ein deutsches Tenorhorn und ein Bariton können äußerlich sehr ähnlich aussehen. Beide besitzen normalerweise eine ovale Bauform, sind in B gestimmt und verfügen über Drehventile.

Der wichtigste Unterschied liegt in der Mensur und in der gesamten Geometrie des Luftweges. Ein Bariton ist weiter gebaut als ein Tenorhorn. Auch der österreichische Hersteller Lechner beschreibt sein Bariton als etwas weiter gebaut als das Tenorhorn.

Das wirkt sich auf den Charakter des Instruments aus. Ein Tenorhorn wird üblicherweise als fokussierter wahrgenommen, während ein Bariton insbesondere im mittleren und tiefen Register einen breiteren Klang entwickeln kann.

Das Euphonium gehört zu einer weiteren konstruktiven Tradition. Moderne Euphonien besitzen typischerweise eine stark konische Mensur, eine aufrechte Bauform und meist Périnet-Pumpventile. Bei professionellen britischen Modellen ist ein vier-ventiliges Kompensationssystem weit verbreitet.
 

Tenorhorn → Bariton → Euphonium

Diese Reihenfolge kann als grobe Orientierung von einer engeren zu einer weiteren und stärker konischen Bauweise verstanden werden. Sie ist jedoch keine absolute Klassifikation: Die Grenzen hängen vom Land, vom Hersteller und vom jeweiligen Modell ab.

Tenorhorn, Baritonhorn und Euphonium im Vergleich

Tenorhorn, Baritonhorn und Euphonium

Warum der englische Begriff „baritone horn“ zu Verwechslungen führt

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem deutschen Baritonhorn und dem britischen baritone horn.

In der britischen Brass-Band-Tradition ist das baritone horn enger mensuriert und konstruktiv dem deutschen Tenorhorn näher als einem typischen deutschen Bariton.

Dies lässt sich gut an modernen Besson-Instrumenten erkennen. Das professionelle Besson Sovereign 955 hat beispielsweise eine Bohrung von 13,8 mm und drei Kompensationsventile, während das Besson Prestige 2056 über vier Kompensationsventile in 3+1-Anordnung verfügt.

Deutsche Baritone von B&S, Melton Meinl Weston und Miraphone folgen dagegen einem anderen konstruktiven Konzept und besitzen in der Regel eine deutlich weitere Ventilsektion.

Der englische Begriff „baritone horn“ sollte daher nicht automatisch mit dem deutschen Baritonhorn gleichgesetzt werden, ohne den musikalischen und konstruktiven Zusammenhang zu berücksichtigen.

Die Anzahl der Ventile bestimmt nicht den Instrumententyp

Gelegentlich findet man eine zu stark vereinfachte Erklärung: Das Tenorhorn habe drei Ventile, das Bariton vier und das Euphonium vier Périnet-Ventile.

In der Praxis funktioniert diese Regel nicht.

Es gibt professionelle Baritone mit drei Ventilen, beispielsweise das Miraphone 53N, und ebenso Tenorhörner mit vier Ventilen.

Der Instrumententyp wird daher in erster Linie durch das akustische Konzept, die Mensur und die Geometrie des Luftweges bestimmt und nicht durch das bloße Zählen der Ventile.

Aufbau eines Baritonhorns

Mensur

Die Mensur gehört zu den wichtigsten Parametern eines Baritonhorns.

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass sie sich nicht auf eine einzige Angabe zum Rohrdurchmesser reduzieren lässt. Ein Hersteller kann beispielsweise den Durchmesser der Ventilsektion angeben, das tatsächliche Spielverhalten wird jedoch durch die gesamte Geometrie des Luftweges und seine Erweiterung vom Mundrohr bis zum Schallbecher bestimmt.

B&S verwendet beispielsweise progressive Durchmesser in der Ventilsektion, während Melton Meinl Weston bei einzelnen modernen Modellen ausdrücklich die konische Entwicklung der Mensur hervorhebt.

Deshalb können sich zwei Instrumente mit ähnlichen technischen Daten beim Spielen vollkommen unterschiedlich anfühlen.

Drei oder vier Ventile

Drei Ventile ermöglichen die grundlegenden Ventilkombinationen des Instruments. Das vierte Ventil verlängert den Luftweg zusätzlich und erweitert insbesondere die Möglichkeiten im tiefen Register.

Darüber hinaus bietet es alternative Griffe. In bestimmten Situationen kann beispielsweise das vierte Ventil anstelle der Kombination aus erstem und drittem Ventil verwendet werden; die Kombination aus zweitem und viertem Ventil kann eine Alternative zu erstem, zweitem und drittem Ventil darstellen. Das kann sowohl hinsichtlich der Intonation als auch des Spielkomforts sinnvoll sein.

Aus diesem Grund sind vier Ventile bei modernen professionellen deutschen Baritonen sehr verbreitet.

Das fünfte Ventil

Einzelne professionelle Instrumente sind zusätzlich mit einem fünften Ventil ausgestattet.

Seine konkrete Funktion hängt von der Konstruktion des Herstellers ab. Es kann zusätzliche Griffmöglichkeiten eröffnen und die Möglichkeiten des Musikers im tiefen Register erweitern.

Bei der Familie Miraphone 54L Loimayr ist beispielsweise ein zusätzliches herausnehmbares fünftes Ventil möglich.

Eine größere Anzahl von Ventilen bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Instrument besser ist. Wenn der Musiker die zusätzlichen Möglichkeiten nicht benötigt, kann eine einfachere Konstruktion die bessere Wahl sein.

Trigger und zusätzliche Mechanik

Bei professionellen Instrumenten finden sich Mechanismen, mit denen sich die Länge einzelner Züge während des Spielens korrigieren lässt.

Einige Ausführungen des Miraphone 54L besitzen beispielsweise einen Trigger am Hauptstimmzug.

Bei Lechner sind ebenfalls zusätzliche mechanische Lösungen und verschiedene Formen der Sonderausstattung möglich.

Der Zweck solcher Mechanismen besteht nicht darin, möglichst viele Bauteile am Instrument zu haben. Sie sollen eine konkrete spieltechnische Aufgabe des Musikers lösen.

Drehventile

Drehventile sind für deutsche und österreichische Baritonhörner besonders typisch.

Beim Betätigen des Hebels verändert der Rotor den Luftweg und leitet die Luft durch eine zusätzliche Rohrlänge.

Auch diese traditionelle Konstruktion wird weiterentwickelt. Miraphone verwendet beispielsweise bei der 54L-Familie das ATV — Austauschventil-System mit herausnehmbaren Drehventilen. Ein Ventil kann zur Wartung entnommen oder ersetzt werden, ohne dass der gesamte Ventilblock auf herkömmliche Weise aufwendig demontiert werden muss.

Dies zeigt gut, warum man professionelle Baritone nicht nur nach Mensur und Anzahl der Ventile vergleichen sollte, sondern auch nach Mechanik, Wartungsfreundlichkeit und Ergonomie.

Drehventilmechanik eines professionellen Baritonhorns

Ventilmechanik eines professionellen Baritonhorns

Normales Bariton, Kaiserbariton und Bellfront

Klassisches Bariton

Für Deutschland und Österreich ist das ovale Baritonhorn mit nach oben gerichtetem Schallbecher und Drehventilen besonders typisch.

Instrumente dieser Bauart werden unter anderem von B&S, Melton Meinl Weston, Miraphone und Lechner hergestellt.

Trotz äußerlicher Ähnlichkeit können sich die Modelle deutlich hinsichtlich Mensur, Schallbecherdurchmesser, Material, Ventilsektion, Balance und Ansprache unterscheiden.

Was ist ein Kaiserbariton?

Als Kaiserbariton bezeichnet man ein größeres und weiter mensuriertes Bariton-Konzept.

Das lässt sich innerhalb der Miraphone-Modellpalette gut erkennen. Ein normales 54L besitzt eine Ventilbohrung von 14,7 mm und einen Schallbecher von 290 mm, während das Miraphone 56L Kaiserbariton eine Ventilbohrung von 15,5 mm und einen Schallbecher von 310 mm hat.

Beide Instrumente sind in B gestimmt, folgen aber unterschiedlichen akustischen Konzepten.

Ein Kaiserbariton ist daher nicht einfach nur ein „größeres Bariton“ und auch nicht automatisch ein höherwertiges Instrument. Es ist eine andere Wahl hinsichtlich Klangcharakter und Spielgefühl.

Bellfront

Bei einem Bellfront-Bariton zeigt der Schallbecher nach vorne.

Diese Bauweise ist besonders mit Volksmusik und der Oberkrainer-Tradition verbunden.

Miraphone bietet dieses Konzept beispielsweise mit dem Miraphone 56B Kaiserbariton Bellfront an. Das Instrument besitzt vier Drehventile, eine progressive Bohrung von 14,7–16,2 mm und einen nach vorne gerichteten Schallbecher mit 340 mm Durchmesser.

Bellfront beschreibt in erster Linie die Bauform und die Richtung des Schallbechers und nicht ein bestimmtes Ventilsystem. Auch Lechner fertigt Bellfront-Instrumente mit eigenen mechanischen Lösungen.

Bariton, Kaiserbariton und Bellfront-Bariton im Vergleich

Normales Bariton, Kaiserbariton und Bellfront-Bariton

Wie wählt man ein Baritonhorn aus?

Bei der Auswahl eines professionellen Baritonhorns würde ich nicht mit der Frage beginnen: „Welche Marke ist die beste?“

Viel wichtiger ist zunächst zu bestimmen, was der Musiker tatsächlich benötigt.

Material des Korpus

Die Hersteller bieten unterschiedliche Messinglegierungen an.

Das B&S 46 wird beispielsweise aus Gelbmessing gefertigt, während beim B&S 3046 Goldmessing verwendet wird.

Miraphone bietet verschiedene Ausführungen des 53N und 54L aus Gelbmessing und Goldmessing an. Auch bei Lechner kann zwischen Messing und Goldmessing gewählt werden.

Ich würde den Unterschied nicht auf eine einfache Formel wie „dieses Material klingt immer so und das andere immer anders“ reduzieren. Auf professionellem Niveau sollte das konkrete Instrument als Ganzes beurteilt werden.

Mensur und Widerstand

Die technischen Angaben des Herstellers sind für einen ersten Vergleich hilfreich, ersetzen aber nicht das Probespiel.

Der Musiker spürt nicht nur den Rohrdurchmesser, sondern auch, wie das Instrument die Luft annimmt, wie es auf die Artikulation reagiert, wie es sich in Pianissimo und Fortissimo verhält und wie frei die unterschiedlichen Register ansprechen.

Deshalb können sich zwei professionelle Baritone mit ähnlichen Abmessungen beim Spielen sehr unterschiedlich anfühlen.

Ergonomie

Bei einem großen Instrument sind die Position des Mundrohrs, die Haltung der Hände, die Erreichbarkeit des vierten oder fünften Ventils, Balance, Gewicht und Bedienbarkeit zusätzlicher Mechanik besonders wichtig.

Beim Miraphone 54L Loimayr Edition ist das Mundrohr beispielsweise höher positioniert; außerdem ist ein verstellbarer Daumenring vorhanden.

Oberfläche

Baritonhörner werden lackiert, versilbert und teilweise mit kombinierten dekorativen Oberflächen angeboten.

Bei einem professionellen Instrument sollte die Oberfläche jedoch nicht vor Akustik, Mechanik und Ergonomie zum wichtigsten Auswahlkriterium werden.

Baritone von B&S

In der aktuellen B&S-Modellpalette sind insbesondere die Modelle 46 und 3046 interessant.

B&S 46

B&S 46 wird vom Hersteller der Performance-Serie zugeordnet.

Es handelt sich um ein Bariton in B mit vier Drehventilen, 3B-Gelenksystem, progressiver Bohrung von ungefähr 14–16 mm und einem Schallbecher von etwa 300 mm.

Das Modell verkörpert das traditionelle deutsche Baritonhorn-Konzept ohne unnötig komplizierte Konstruktion.

B&S 3046

B&S 3046 gehört zur professionellen Modellreihe.

Auch dieses Instrument besitzt vier Drehventile, eine progressive Bohrung, einen Schallbecher von etwa 300 mm und das 3B-System. Der Korpus wird aus Goldmessing gefertigt.

Der Unterschied zwischen 46 und 3046 lässt sich daher nicht mit der Aussage erklären, dass „das professionelle Instrument mehr Ventile hat“. Anzahl der Ventile und wesentliche Abmessungen sind ähnlich; verglichen werden müssen die gesamte Umsetzung der Konstruktion und das Spielgefühl des jeweiligen Musikers.

Baritone von Melton Meinl Weston

In der heutigen professionellen Modellpalette von Melton Meinl Weston sind vor allem zwei Konzepte interessant: Meisterwerk und MeisterArt.

Melton Meinl Weston MWB34 Meisterwerk

MWB34 Meisterwerk ist ein professionelles ovales Bariton in B.

Es besitzt vier Drehventile, das 3B-System, eine Bohrung von 14,5–15 mm, einen Schallbecher von 300 mm und einen Korpus aus Goldmessing.

Der Hersteller hebt den langen einteiligen ovalen Korpusabschnitt und die weichen Übergänge in der Ventilsektion hervor. Optional ist ein Trigger am Hauptstimmzug erhältlich.

Neben der lackierten Ausführung gibt es auch das versilberte MWB34-S Meisterwerk.

Melton Meinl Weston MAB34 MeisterArt

MAB34 MeisterArt steht für ein neueres konstruktives Konzept.

Das Modell wurde gemeinsam mit den Musikern Johann Reiter und Berthold Schick entwickelt.

Das Instrument besitzt vier Drehventile, eine konische Mensur, einen Schallbecher von 290 mm und einen Korpus aus Goldmessing.

Zu den konstruktiven Besonderheiten gehören laut Hersteller eine neue Geometrie des Luftweges, ein nach oben geführter dritter Ventilzug für besseren Zugang, ein geänderter vierter Ventilzug, ein umgekehrt angeordneter Hauptstimmzug sowie eine überarbeitete Geometrie der Ventilhebel.

MWB34 Meisterwerk und MAB34 MeisterArt sollten daher nicht einfach als zwei Preisstufen, sondern als zwei unterschiedliche professionelle Konzepte betrachtet werden.

Baritone von Miraphone

Miraphone bietet eine deutlich breitere Auswahl. Dazu gehören klassische Baritone, verschiedene 54L-Ausführungen, Kaiserbaritone und Bellfront-Instrumente.

Miraphone 53N

Miraphone 53N ist besonders interessant, weil es lediglich drei Drehventile besitzt.

Die Ventilbohrung beträgt 14,7 mm, der Schallbecher 290 mm. Unterschiedliche Material- und Oberflächenvarianten sind erhältlich.

Dieses Modell zeigt erneut, warum die Zahl der Ventile nicht zur Definition eines Baritonhorns verwendet werden kann.

Miraphone 54L Loimayr

Miraphone 54L Loimayr gehört zu den zentralen professionellen Baureihen des Herstellers.

Eine typische vier-ventilige Version besitzt eine Ventilbohrung von 14,7 mm und einen Schallbecher von 290 mm.

Eine der wichtigsten technischen Besonderheiten ist das ATV — Austauschventil-System mit herausnehmbaren Drehventilen.

Je nach Ausführung sind unterschiedliche Materialien, Schallbechervarianten, ein Trigger am Hauptstimmzug und ein zusätzliches herausnehmbares fünftes Ventil erhältlich.

Miraphone 54L Loimayr Edition

54L Loimayr Edition entwickelt dieses professionelle Konzept weiter.

Zu den Merkmalen gehören Goldmessing, ein 290-mm-Schallbecher, ein höher positioniertes Mundrohr, ein verstellbarer Daumenring, das ATV-System und bei einzelnen Ausführungen ein Trigger am Hauptstimmzug.

Hier zeigt sich besonders deutlich, dass eine professionelle Konfiguration nach den tatsächlichen Anforderungen des Musikers gewählt werden sollte und nicht nach dem Prinzip „mehr Funktionen sind automatisch besser“.

Miraphone 56L Kaiserbariton

Miraphone 56L Kaiserbariton besitzt vier Drehventile, eine Ventilbohrung von 15,5 mm und einen Schallbecher von 310 mm.

Im Vergleich zum 53N oder 54L handelt es sich bereits um ein anderes akustisches Konzept. Die Entscheidung für ein Kaiserbariton sollte davon abhängen, welchen Klangcharakter und welchen Widerstand der Musiker benötigt.

Miraphone 56B Kaiserbariton Bellfront

Miraphone 56B Kaiserbariton Bellfront besitzt einen nach vorne gerichteten Schallbecher.

Das Instrument ist mit vier Drehventilen ausgestattet, besitzt eine progressive Ventilbohrung von 14,7–16,2 mm und einen Schallbecher mit 340 mm Durchmesser.

Es ist ein Instrument mit einer deutlich ausgeprägten stilistischen und konstruktiven Identität und besonders eng mit Volksmusik und der Oberkrainer-Tradition verbunden.

Lechner: individueller Ansatz beim Bariton

Beim österreichischen Hersteller Lechner ist der Ansatz etwas anders.

Der Hersteller bietet Baritone aus Messing oder Goldmessing sowie verschiedene Ventilkonfigurationen, Oberflächen und zusätzliche Ausstattung an. Die tatsächlichen Möglichkeiten einer individuellen Konfiguration gehen in der Praxis jedoch deutlich über eine reine Liste technischer Optionen hinaus.

Lechner verfügt in Österreich über einen Schauraum, in dem Musiker unterschiedliche Instrumente ausprobieren, Klang, Ansprache und Ergonomie vergleichen, ihre Anforderungen besprechen und anschließend ein Instrument in der gewünschten Konfiguration bestellen können.

Ich habe solche Bestellungen persönlich für Elcoda-Kunden organisiert, die nicht selbst nach Österreich reisen konnten.

Ich habe mit Martin Lechner telefonisch und schriftlich kommuniziert, mögliche Ausführungen und mechanische Besonderheiten geklärt, diese anschließend mit dem Musiker besprochen und mich danach mit weiteren Fragen wieder an den Hersteller gewandt.

Wir haben praktisch alles besprochen: Material des Instruments, Konstruktion der Mechanik, Ventile und zusätzliche Ausstattung.

Lechner bietet zahlreiche interessante technische Lösungen, darunter zusätzliche Ventile und mechanische Elemente, die bestimmte spieltechnische Aufgaben für den Musiker erleichtern können.

Auf diese Weise haben wir über Elcoda bei Lechner nicht nur Baritone, sondern auch Trompeten bestellt.

Meiner Ansicht nach besteht der Sinn einer individuellen Bestellung nicht darin, möglichst viel zusätzliche Mechanik an einem Instrument unterzubringen.

Zunächst muss geklärt werden, was der Musiker tatsächlich benötigt. Erst danach sollte gemeinsam mit dem Hersteller nach der passenden technischen Lösung gesucht werden.

Anforderungen des Musikers → Diskussion möglicher Lösungen → Auswahl der Konfiguration → Fertigung des Instruments

Dieser Ablauf unterscheidet sich grundsätzlich vom gewöhnlichen Kauf eines serienmäßig gefertigten Baritons.

Wo wird das Bariton eingesetzt?

Das Baritonhorn ist besonders eng mit der deutschen, österreichischen, tschechischen und weiteren mitteleuropäischen Blasmusik verbunden.

Je nach Besetzung und Arrangement kann die Baritonstimme:

  • die Tenor- und Baritongruppe unterstützen;
  • das mittlere und tiefe Register des Ensembles verbinden;
  • die Melodielinie ergänzen;
  • Kontrapunkt übernehmen;
  • eigenständige melodische und solistische Passagen spielen.

Es wäre daher falsch, das Bariton ausschließlich als tiefes Begleitinstrument zu betrachten.

Eine seiner Stärken liegt darin, eine tragende Ensemblefunktion mit breiten, gesanglichen Melodielinien zu verbinden.

Volksmusik und Oberkrainer

Eine besondere Spieltradition ist mit Oberkrainer-Musik und Bellfront-Instrumenten verbunden.

Der nach vorne gerichtete Schallbecher sorgt für eine andere Schallabstrahlung, während die Bellfront-Bauform selbst zu einem charakteristischen Bestandteil dieser Musikkultur geworden ist.

Bei Lechner besitzt diese Tradition eine lange Geschichte: Das Unternehmen begann bereits Ende der 1970er Jahre mit der Entwicklung von Bellfront-Baritonen.

Britische Brass Band

In der britischen Brass-Band-Tradition wird ein eigenes, enger mensuriertes baritone horn verwendet.

Eine Brass Band verfügt über getrennte Stimmen für Baritone und Euphonium. Das zeigt erneut, dass baritone und euphonium in der britischen Tradition nicht einfach zwei Bezeichnungen für dasselbe Instrument sind.

Typische moderne Vertreter dieser Tradition sind das Besson Sovereign 955 und das Besson Prestige 2056.

Solorepertoire

Für das baritone horn existiert weniger originäres Solorepertoire als beispielsweise für Trompete oder Posaune, das moderne Repertoire entwickelt sich jedoch weiter.

Ein interessantes Beispiel ist Peter Grahams Turbulence, Tide & Torque, das für die Baritonistin Katrina Marzella entstand. Das Werk besteht aus drei kontrastreichen Sätzen und ist ausdrücklich für Baritone gedacht, kann jedoch auch auf einem geeigneten Euphonium gespielt werden.

Ein weiteres Beispiel ist Philip Sparkes Scaramouche, ebenfalls im Zusammenhang mit Katrina Marzella entstanden. Es gibt Fassungen, die eine Aufführung auf Baritone oder Euphonium ermöglichen.

Neben Originalwerken spielen Musiker auch:

  • Bearbeitungen von Euphonium-Literatur;
  • Werke und Bearbeitungen für Posaune;
  • vokale und kantable Stücke;
  • Transkriptionen klassischer Musik;
  • moderne Werke für tiefes Blech.

Das Bariton in der sinfonischen Musik

Das Baritonhorn gehört nicht zur festen Standardbesetzung eines Sinfonieorchesters.

Verwandte tiefe Blechblasinstrumente treten jedoch im Orchesterrepertoire auf. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Tenorhorn in B in Gustav Mahlers Siebter Sinfonie.

Die Tenorhornstimme erscheint bereits zu Beginn des ersten Satzes und übernimmt dort eine besonders markante Rolle.

Auch dieses Beispiel zeigt, warum Tenorhorn, Bariton und Euphonium beim Lesen einer Partitur nicht automatisch als austauschbare Bezeichnungen behandelt werden sollten. Der historische und aufführungspraktische Kontext ist entscheidend.

Wie wird die Baritonstimme notiert?

In der deutschen und mitteleuropäischen Praxis kommen unterschiedliche Notationsformen vor.

Das Bariton kann eine transponierende B-Stimme im Violinschlüssel lesen, es werden jedoch auch Stimmen im Bassschlüssel verwendet.

In der britischen Brass-Band-Tradition liest das baritone horn normalerweise eine transponierende B-Stimme im Violinschlüssel.

Beim Kauf ausländischer Noten sollte deshalb nicht nur die Instrumentenbezeichnung, sondern auch Schlüssel und Transposition beachtet werden.

Welches Baritonhorn sollte man wählen?

Für Anfänger

Zu Beginn sind eine angenehme Ergonomie, vorhersehbare Ansprache, zuverlässige und leichtgängige Mechanik, gute Intonation und eine für den Musiker körperlich passende Instrumentengröße besonders wichtig.

Eine komplizierte professionelle Mechanik ist für einen Anfänger nicht automatisch notwendig.

Außerdem sollten die Empfehlung des Lehrers und die Instrumententradition berücksichtigt werden, in der der Unterricht stattfindet. Ein Euphonium zu kaufen, nur weil es in einem englischsprachigen Shop als „baritone“ bezeichnet wurde, obwohl der Lehrer ein deutsches Baritonhorn erwartet, wäre ein Fehler.

Für Musiker im Amateur-Blasorchester

Für Musiker, die regelmäßig in einem Musikverein, Blasorchester oder Bläserensemble spielen, werden folgende Punkte zunehmend wichtig:

  • Zuverlässigkeit der Mechanik;
  • Komfort bei längerem Spielen;
  • stabile Intonation;
  • Charakter des Blaswiderstands;
  • Ansprache im tiefen und hohen Register;
  • klangliche Integration in die übrige Gruppe.

Die Wahl zwischen B&S, Melton Meinl Weston und Miraphone wird hier weniger zu einer Frage „welcher Hersteller ist hochwertiger?“ als zu einer Frage persönlicher Präferenz zwischen konkreten Modellen.

Für professionelle Musiker

Ein professioneller Musiker kann normalerweise bereits formulieren, was er gegenüber seinem bisherigen Instrument verändern möchte.

Das kann Widerstand, Ansprache, Verhalten im tiefen Register, Stabilität einzelner Töne, vier oder fünf Ventile, ein Trigger, Position des Mundrohrs, Balance oder eine bestimmte zusätzliche Mechanik betreffen.

Auf diesem Niveau ist es sinnvoll, beispielsweise das B&S 3046, das Melton Meinl Weston MWB34, das MAB34 MeisterArt, verschiedene Miraphone 54L und individuell konfigurierte Lechner-Instrumente miteinander zu vergleichen.

Wann sollte man ein Kaiserbariton wählen?

Ein Kaiserbariton ist nicht die automatisch nächste Stufe nach einem normalen Bariton.

Es handelt sich um ein anderes akustisches Konzept. Ein solches Instrument ist dann sinnvoll, wenn der Musiker gezielt dessen breiteren Klangcharakter und das entsprechende Spielgefühl benötigt.

Wann sollte man ein Bellfront wählen?

Ein Bellfront ist besonders sinnvoll für Musiker, die in entsprechenden Volksmusik- und Oberkrainer-Traditionen arbeiten.

Für einen universelleren Einsatz in einem normalen Blasorchester ist ein traditionelles ovales Baritonhorn meist vielseitiger.

Wann ist eine individuelle Bestellung sinnvoll?

Eine individuelle Anfertigung ist besonders dann sinnvoll, wenn der Musiker bereits genau erklären kann, welches Problem er lösen möchte.

Erst dann wird die Diskussion über ein zusätzliches Ventil, eine besondere Mechanik, ein bestimmtes Material oder eine andere konstruktive Lösung wirklich sinnvoll.

Genau so sollte man meiner Erfahrung nach auch an individuelle Lechner-Bestellungen herangehen.

Sollte man ein professionelles Bariton vor dem Kauf ausprobieren?

Wenn es möglich ist — ja, insbesondere beim Kauf eines hochwertigen professionellen Instruments.

Technische Daten helfen bei der Vorauswahl, können aber Widerstand, Ansprache, Balance und das körperliche Spielgefühl eines konkreten Instruments nicht vollständig vermitteln.

Aus diesem Grund legt Lechner großen Wert auf die Möglichkeit, Instrumente direkt beim Hersteller auszuprobieren und miteinander zu vergleichen.

Nicht jeder Musiker kann jedoch zum Hersteller reisen.

In solchen Fällen gewinnt eine ausführliche Beratung besondere Bedeutung: Die Anforderungen des Musikers sollten vor der Bestellung so genau wie möglich definiert werden.

Häufige Fragen zu Baritonhörnern

Sind Bariton und Euphonium dasselbe Instrument?

Nein. Sie liegen in einem ähnlichen Register und sind üblicherweise in B gestimmt, folgen jedoch unterschiedlichen konstruktiven Traditionen. Das deutsche Bariton besitzt meist eine ovale Bauform und Drehventile, während ein modernes Euphonium normalerweise aufrecht gebaut ist, eine stärker konische Mensur und meist Périnet-Pumpventile besitzt.

Was ist der Unterschied zwischen Bariton und Tenorhorn?

Vor allem die weitere Mensur und das gesamte akustische Konzept des Baritons. Die Anzahl der Ventile ist kein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal.

In welcher Stimmung steht ein Baritonhorn?

Die in diesem Artikel behandelten modernen Baritone von B&S, Melton Meinl Weston, Miraphone und Lechner sind in B gestimmt.

Wie viele Ventile sollte ein gutes Bariton haben?

Es gibt keine vorgeschriebene Anzahl. Professionelle Instrumente existieren mit drei, vier oder fünf Ventilen. Ein zusätzliches Ventil sollte einen konkreten spieltechnischen Zweck erfüllen.

Was ist ein Kaiserbariton?

Es handelt sich um ein weiter gebautes Bariton-Konzept. Das Miraphone 56L besitzt beispielsweise eine weitere Ventilsektion und einen größeren Schallbecher als das 54L.

Was ist ein Bellfront-Bariton?

Das ist ein Bariton mit nach vorne gerichtetem Schallbecher. Diese Bauform ist besonders mit Oberkrainer-Musik und Volksmusik verbunden.

Was ist besser — B&S, Melton Meinl Weston oder Miraphone?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

B&S besitzt eine relativ kompakte Modellpalette, Melton Meinl Weston bietet die professionellen Konzepte Meisterwerk und MeisterArt, während Miraphone eine besonders große Auswahl vom 53N und 54L bis zu Kaiserbariton und Bellfront bietet.

Es ist sinnvoller, konkrete Instrumente miteinander zu vergleichen als lediglich die Namen der Hersteller.

Kann man ein Lechner-Bariton individuell bestellen?

Ja. In meiner eigenen Praxis haben wir mit Martin Lechner Material, Mechanik, Ventile und weitere Eigenschaften eines Instruments entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Musikers besprochen.

Kann man Lechner über Elcoda bestellen?

Ja. Elcoda hat praktische Erfahrung mit der Organisation solcher Bestellungen. Wir haben bei Lechner sowohl Baritone als auch Trompeten bestellt und bei Bedarf die Kommunikation zwischen Musiker und Hersteller übernommen.

Fazit

Ein Baritonhorn wirkt nur so lange wie ein relativ einfaches Instrument, bis man beginnt, professionelle Modelle miteinander zu vergleichen.

Hinter der Bezeichnung Bariton in B können sich Instrumente mit unterschiedlichen Mensuren, drei, vier oder fünf Ventilen, verschiedener Mechanik, normaler oder Kaiser-Bauweise, ovalem Korpus oder nach vorne gerichtetem Bellfront-Schallbecher verbergen.

Deshalb empfehle ich nicht, ein professionelles Bariton nur nach Marke, Preis oder Anzahl der Ventile auszuwählen.

wo und was der Musiker spielt → gewünschter Instrumentencharakter → benötigte technische Möglichkeiten → Auswahl des Modells oder einer individuellen Konfiguration

Bei Elcoda haben wir Baritone von B&S, Melton Meinl Weston und Miraphone geliefert und außerdem individuelle Bestellungen bei Lechner organisiert.

Bei der Auswahl eines professionellen Instruments können wir beim Vergleich der Modelle helfen, technische Möglichkeiten des Herstellers klären und bei Bedarf eine individuelle Konfiguration besprechen.

Alle aktuell verfügbaren Modelle finden Sie in der Kategorie Baritone im Elcoda-Katalog.

Quellen

  1. Yamaha Corporation — Musical Instrument Guide. Verwendet für die Terminologie der Saxhorn-Familie und unterschiedliche Instrumentenbezeichnungen in verschiedenen Ländern. Quelle
  2. Yamaha — What's the Difference Between Baritone Horn and Euphonium? Vergleich zwischen britischem baritone horn und Euphonium. Quelle
  3. Besson — Baritone Horns. Technische Daten moderner britischer Sovereign- und Prestige-Modelle. Quelle
  4. B&S — Tenorhörner und Baritone. Aktuelle Modelle B&S 46 und 3046, Materialien, Mensur, Ventile und Positionierung. Quelle
  5. Melton Meinl Weston — MWB34 Meisterwerk. Technische Daten, Mensur, Schallbecher, Mechanik und Ausführungen. Quelle
  6. Melton Meinl Weston — MAB34 MeisterArt. Konstruktion, Entwicklung, Ventilsektion und ergonomische Lösungen. Quelle
  7. Miraphone — Baritone. Aktuelle Baureihen 53N, 54L Loimayr, Loimayr Edition, 56L Kaiserbariton und 56B Bellfront. Quelle
  8. Musikhaus Martin Lechner — Tiefes Blech. Bariton- und Bellfront-Konstruktionen, Materialien, Ventile und Sonderausstattung. Quelle
  9. Musikhaus Martin Lechner — Philosophie. Individuelle Fertigung sowie Auswahl und Erprobung von Instrumenten. Quelle
  10. Musikhaus Martin Lechner — Geschichte. Unternehmensgeschichte und Entwicklung der Bellfront-Baritone. Quelle
  11. Peter Graham / Gramercy Music — Turbulence, Tide & Torque. Modernes Solorepertoire für baritone horn. Quelle
  12. Philip Sparke — Scaramouche. Werk für Baritone in unterschiedlichen Besetzungsfassungen. Quelle
  13. Gustav Mahler — Sinfonie Nr. 7. Tenorhorn-in-B-Stimme in Mahlers Siebter Sinfonie. Quelle

Technische Daten und Modellreihen wurden anhand der aktuellen Herstellerinformationen und des Elcoda-Katalogs am 2. September 2026 geprüft.

Pavel Dudenkov
Gründer von Elcoda

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