Mit dieser Übersicht beginnen wir eine Reihe von Artikeln, die sich der Geige und ihren Streichinstrumenten-Geschwistern widmen: der Bratsche (Viola), dem Violoncello und dem Kontrabass. Diese Instrumente sind in der klassischen Musik weit verbreitet, und unser erstes Ziel ist es, ihre Besonderheiten, die verwendeten Materialien und ihre Klassifizierung zu verstehen.
Bevor wir zur komplexen Attribution von Instrumenten übergehen, fangen wir mit den Grundlagen an — dem Aufbau der Geige. Zwei Musiker können denselben Teil einer Geige mit unterschiedlichen Begriffen benennen, daher ist eine einheitliche Terminologie wichtig. Das untenstehende Diagramm zeigt die Hauptteile einer Violine. Wir werden ihre Namen, Funktionen und die für ihre Herstellung verwendeten Materialien im Detail betrachten.

Die beiden Hauptabschnitte einer Geige sind der Hals und der Korpus. Der Geigenhals besteht aus zwei Elementen: dem eigentlichen Hals und dem Griffbrett.
Das Griffbrett wird aus sehr hartem Holz gefertigt: meist schwarzes afrikanisches Ebenholz, seltener Palisander oder Buchsbaum. Trotz seiner Härte verschleißt das Griffbrett im Laufe der Zeit durch die Reibung der Saiten und Finger und muss ersetzt werden. Um die Demontage zu erleichtern, leimt der Geigenbauer es mit traditionellem Knochenleim auf.
Der Hals wird aus einem massiven Block Hartholz, meist Ahorn, geschnitzt. Der obere Teil des Halses wird als Kopf bezeichnet, der aus dem Wirbelkasten und der Schnecke besteht. Die Schnecke hat keinen Einfluss auf den Klang, ist aber ein entscheidendes Element für die Attribution — sie spiegelt die einzigartige "Handschrift" des Meisters wider. Der Hals endet unten im Halsfuß, der mit einem sehr starken natürlichen organischen Leim (z.B. Hausenblasenleim) in den Korpus des Instruments eingelassen wird.
Der Korpus (Resonanzkörper) besteht aus drei Hauptteilen: der Decke, dem Boden und den Zargen.
Die Decke wird aus feinjährigem Resonanzfichtenholz gefertigt und besteht meist aus zwei verleimten Hälften. Während des Spielens "atmet" und vibriert die Decke. Ihre Aufgabe ist es, in Bewegung zu sein, weshalb die Dicke der Fichtendecke bei einer guten Geige nur wenige Millimeter beträgt.
Der Boden wird aus Ahorn, Bergahorn, seltener auch aus Pappel oder Weide gefertigt. Er kann (wie die Decke) aus zwei Teilen gefügt oder aus einem einzigen massiven Holzstück (einteiliger Boden) geschnitzt sein.
Die Zargen verbinden Decke und Boden an den Seiten. Sie bestehen aus dem gleichen Material wie der Boden, wobei ein guter Geigenbauer darauf achtet, dass die Flammung des Holzes bei Boden, Hals und Zargen optisch zusammenpasst. Im Inneren des Korpus sind die Leimfugen mit Eckklötzen und Reifchen (aus Fichte) verstärkt.
Entlang der Innenseite der Decke (auf der linken Seite) verläuft der Bassbalken. Er sorgt für strukturelle Steifigkeit und überträgt die Schwingungen vom Steg auf den Korpus. Auf der rechten Seite, eingeklemmt zwischen Decke und Boden, befindet sich der Stimmstock (die "Seele") — ein kleiner Holzzylinder. Er dient als Stütze und überträgt Vibrationen auf den Boden. Form, Dicke und exakte Platzierung des Stimmstocks beeinflussen den endgültigen Klang der Geige radikal.
Die Wirbel sitzen im Wirbelkasten und bestehen aus Ebenholz, Palisander oder Buchsbaum. Der Saitenhalter ist über die Henkelsaite mit dem Endknopf verbunden. Moderne Saiten sind das technologisch fortschrittlichste Element. Kurzlebige Naturdarmsaiten wurden weitgehend durch Saiten mit Stahlkern oder innovativen synthetischen Kernen (Perlon, Kevlar) ersetzt.
Zwei entscheidende Knotenpunkte sind der Obersattel und der Steg. Der Steg wird aus Resonanzahorn geschnitzt und nicht auf die Decke geleimt; er wird ausschließlich durch die Spannung der Saiten in Position gehalten. Der Abstand vom Obersattel bis zum Steg wird als Mensur des Instruments (Länge der schwingenden Saite) bezeichnet.
In unserem nächsten Artikel widmen wir uns dem komplexeren Thema der Attribution von Geigen und deren Wertermittlung.